Satire

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Die Körriwurst

Sonntag, Juni 30th, 2013

Herta Charlotte Heuwer, geborene Pöppel (* 30. Juni 1913 in Königsberg; † 3. Juli 1999 in Berlin), war die Besitzerin einer Imbiss-Stube im Nachkriegsberlin. Man nannte sie auch die ‘Berliner Mutter der Currywurst’.
Das allerdings ist nicht ganz korrekt. Es muss höchstens heissen: ‘Mutter der “Berliner” Currywurst’; denn die Currywurst, die es heute in tausendfacher [nachgemachter] Variation hinsichtlich der ursprünglich patentierten Heuwer’schen Sosse (Patentnummer 721319) gibt, wurde wohl fast nahezu zeitgleich an mehreren Orten erfunden. Keinesfalls jedoch auf dem Territorium der damaligen Ostzone, weil es dort an Curry mangelte. Dort nahm man anstelle Currys den guten Senf aus Bautzen. Die Wurst dort war daher bestenfalls eine Senfwurst und in der Regel sehr fettig [fättich], weil sie zu 95 % aus Fett bestand. Schweinehälften wurden nämlich eher in das westliche Deutschland exportiert, nachdem man überflüssiges Fett abgeschnitten hatte.

Manche schreiben die Endeckung der Currywurst auch einer Lena Brückner zu, einer Hamburgerin, die eine Art Currywurst bereits 1947 am Hamburger Fischmarkt oder Grossneumarkt (als Filialbetrieb ?) angeboten haben soll. Die Hamburger Sosse allerdings ist heute noch bräunlich angesengt und man kann davon ausgehen, dass McDonald’s diese Sosse für den firmeneigenen McRib “abgeschmeckkupfert” hat.

Nun zum Kern der Sache: Die Currywurst wurde allen Unkenrufen zum Trotz bereits 1946 erfunden – und zwar am 24. September. Nicht in Bochum oder gar nördlichen Gelsenkirchen, sondern in Hörde bei Dortmund.
Der Erfinder der Currywurst im westlichen Teil Deutschlands – eigentlich der Wiederentdecker – war Anton Lewandowski, der Urgrossvater des Verfassers, Sohn von Michael Lewandowski, der das Rezept an seinem Sohn Anton weitergegeben hatte. Anton wurde in Christburg (in der Nähe von Marienburg) geboren. Und es ist davon auszugehen, dass sich das Rezept seit Jahrhunderten im Familienbesitz befand. Anlass für die Wiedererweckung des Rezeptes war die Geburt des Verfassers. Die Tomaten der Sosse stammten aus überlebenden Einmachgläser und das C-Pulver wurde selber gemischt. Die Sau, aus der Wurst gemacht wurde, stammte aus einer anteiligen Schwarzschlachtung.

Leider lässt sich das heute nicht mehr exakt recherchieren, aber es ist davon auszugehen, dass Herta Charlotte Heuwer und der UrurGrossvater Michael L. mutmasslich gemeinsame Vorfahren hatten. Damit wäre schlüssig nachvollzogen, dass die Currywurst auf jeden Fall in Ostpreussen erfunden wurde. Und zwar höchstwahrscheinlich bereits vor Jahrhunderten, also schon vor der Zeit, bevor der Deutsche Orden das Land okkupierte.

In der Gegend von Augsburg wird auch eine Art von Currywurst angeboten, die allerdings den Namen nicht verdient. Denn nicht nur die Sosse dient der Identifikation dieses Gerichtes, sonder auch die Wurst. Verwendet wird hier eine haut- und geschmacklose Wurst, die von Eingeborenen auch “Geschwollene” genannt wird. Gleichermassen wird diese “Wurst” in Bayern auch zur einfall(t)slosen Füllung von Rouladen verwendet.

Die original und einzig wahre echte Hörder Currywurst Nummer 1 wurde nach dem 24.9.1946 von Lina Eva Krokoschinski, einer Kriegerwitwe, weiter verbraten, also als Lizenznehmerin von Anton Lewandoswki weiter unter das Volk gebracht.

Wie kam nun die Currywurst nach Bochum? Das ist einfach erklärt. Der Grossonkel des Verfassers, Gustav Labuhn, wohnte in der Nähe des Langendreer Bahnhofs. Und weil er Mitglied der Familie war, erwarb er kostenlos eine Lizenz von seinem Onkel Anton.
Der Grönemeyer hat diese Wurst ’sogar’ besungen, obwohl er sie nachweislich nicht gerne mag. Aber was macht man nicht alles für Geld! Und wer ist in dieser Branche schon authentisch?

Gustav war an sich glücklich verheiratet, aber wie es der Teufel wollte, besuchte ihn an seiner Curry-Wurst-Bude eines Tages eine hübsche Frau, die es nach Wurst verlangte. Sie bekam sie in zwei Sorten und in einer der schwachen Stunden verriet Gustav das Rezept an diese Dame. So gelangte das Rezept in den Gelsenkirchner Vorort in der Nähe von Bottrop; denn diese Dame war die Freundin des damaligen Trainers. Und die hatten ihren Fans nicht anzubieten in der Halbzeitpause – jedoch von dieser Wurst gehört, die am Stadion “Rote Erde” von Lina Krokoschinski an Spieltagen damals bereits an einem innovativen mobilen Stand verkauft wurde.
Und wie kann es anders sein? Das und nur dieses ist der Grund für die Rivalität zwischen diesem Klickerverein in der Nähe von Bottrop und dem sagenhaften BVB 09: Die geklaute Currywurst.
Gustav verkaufte an seinem Stand in Langedreer übrigens auch gekochte harte Eier mit – wie kann es anders sein – einem ordentlichen Tropfen MAGGI als Würze; denn harte Eier, MERKE: … werden immer mit MAGGI gegessen!

Immer muss die Wurst eine leicht gekrümmte sein, woraus man ableiten kann, dass die Wurst selbstverständlich eingepellt ist (essbarer Naturdarm). Und immer muss diese Wurst von Hand mit einem wohlgeschliffenem Messer geschnitten werden – nicht durch einen dieser modernen Wurst-Häcksler zerrissen werden.

Meister dieser Handschneide-Disziplin war der Pommes-Paule aus Waiblingen. Hier wurde auch die schwäbische ‘Rote’ oft als Currywurst verkauft. Und selbverständlich wurde ohne Rückfrage Currypulver aufgestreut – und das reichlich. Das Attribut “spezial” war dann ein Klacks Majo und dazu noch ein Schuss Schaschliksosse.

Hütet euch aber, dort eine sogenannte Currywurst zu kaufen, wo der Verkäufer oder die Verkäuferin fragt, ob es auch ein wenig Currypulver drauf sein darf. Die haben NULL Checkung von Currywurst, und man würde ein Plagiat essen. Und dort wird in der Regel die Wurst auch gehäckselt – ist oft auch die Wurst eine nach der Art der “Geschwollenen”. Vergiss’es!

Auf der original und einzig wahrer echten “Hörder Körri-Wurst Nummer 1 nach ostpreussischem Ursprung” ist immer Currypulver auf der roten Sosse, die eine mässige Schärfe aufweisen muss.

So iss’es!

         Wer sicht nicht wehrt, lebt verkehrt!